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Kochbuchhändler

Goldhahn & Sampson im Prenzlauer Berg

Goldhahn und Sampson

Foto: Magnus Winter

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In meiner unmittelbaren Nachbarschaft hat vor zwei Jahren Goldhahn & Sampson eröffnet, ein Glanzpunkt im Prenzlauer Berg-Kiez. Das Geschäft von Andreas Klöckner und Sascha Rimkus hält alles bereit, was mein Herz begehrt: schöne Dinge für Menschen, die gerne essen und kochen. Der Duft von frischem Brot, Kaffee und Kochbüchern (sie duften für mich wie das feinste Parfum) heißt jeden willkommen, der seinen Fuß über die Schwelle setzt. Aber mehr noch: Andreas und Sascha sind Kochbuch-Experten mit einem genauen Auge für die Wünsche ihrer Kunden.

Mit der Eröffnung von Goldhahn & Sampson vor ca. 2 Jahren haben sie ihre berufliche Leidenschaft für Gastronomie fortgesetzt. Nach vielen Jahren Zusammenarbeit mit dem Cookie-Gründer, dem einige legendäre Clubs, Cafes und Restaurants in Berlin-Mitte der 90er gehören, war die Zeit reif, die Arbeitszeit von der Nacht in den Tag zu verlegen. Dem Thema wollten sie treu bleiben. So wurde die Idee für den Shop mit Café-Charakter geboren, der Kochbücher, Kochutensilien, und Kochkurse anbietet. Dazu gibt es Lebensmittel und deutschen Wein. Die Spanne der Lebensmittel reicht von Spezialitäten wie französischem Salz bis zu Frischware wie Brot und Bio-Kartoffeln. Gemeinsam ist ihnen, dass Schönheit/Eigenheit und besondere Qualität zusammen treffen. Die Wünsche des erdverbundenen Städters werden von Goldhahn & Sampson liebevoll erfüllt: Im Sommer verkaufen sie auch Tomatenpflanzen für das Balkon-Leben. Sascha und Andreas werfen bei der Gestaltung/Erfindung althergebrachte Weisheiten über Bord und machen es, wie sie es möchten: Als sie vor kurzem Wein in ihr Sortiment aufgenommen haben, haben sie sich ausschließlich für Erzeugnisse aus deutschen (inzwischen deutschsprachigen) Kellereien entschieden.

Diesen sehr eigenen Weg gehen die beiden auch beim Angebot der Kochbücher. Ein großer Teil ihres schönes Geschäfts wird vereinnahmt von unendlich vielen Seiten mit Rezepten: Die Kochbücher „ergießen“ sich auf Tischen und wandhohen Regalen neben wartenden Sitzgelegenheiten. Im Mittelpunkt ihres deutschen und englischen Sortiments steht die Bürgerliche Küche aus Deutschland, Österreich, Japan, dem Libanon etc. Bei der Auswahl folgen sie ihren eigenen Vorlieben und den Vorstellungen ihrer Kunden. Andreas: „Die Leute hier haben eine starke Meinung und eine genaue Vorstellung, wie das Leben ist! Kein Kommerz, keine Industrie, kein Talk, sie wollen ein ehrliches Paket.“ Daher sind wenige TV-Köche im Sortiment (Ausnahme: Jamie Oliver!) und auch weniges von Verlagen, die sich hinsichtlich der Bücher-Gestaltung dem unscheinbaren Mainstream verschrieben haben. „Wir bieten auch kaum Sterneküche an. Sie wird hier auch nicht nachgefragt. Meistens sind die Bilder schon so kompliziert – da denke ich, das möchte ich nicht kochen“ erzählt Andreas. Ihre weibliche Kundschaft kauft diese zudem nicht. Denn die Bücher sind zu wenig liebevoll gestaltet, seien zu steril, stellt er fest. Ihre Erfahrung ist, dass die Kunden eher eine gezielte Vorstellung haben als Stöbern und dann Beratung wünschen. Es werden viele Einsteigerbücher nachgefragt.

Tessa Kiros

Wenn ein englischer Titel in deutscher Übersetzung erscheint, dann schaut sich Andreas erstmal den Originaltitel an. Und ist mitunter erstaunt über die deutsche Covergstaltung, die im Vergleich enttäuschend ist. Als Beispiel nennt er die Cover der Kochbücher von Tessa Kiros (siehe Abbildung oben: englisches Cover; Abbildung unten: deutsches Cover): Der deutsche Verlag hat die gelungenen Originalcover nicht übernommen, sondern eigene, weniger inspirierende gestaltet. „Warum wird das so gemacht? Ich verstehe das nicht! Die englische Covergestaltung macht mehr Lust! Warum wird es eingedeutscht? “

Tessa Kiros

Er wünscht sich von den deutschen Kochbuchverlagen mehr Mut zur authentischen Gestaltung im Sinne der Autoren, die stärker den Zeitgeist widerspiegeln. Zwar würden die Kochbücher optisch stärker altern, aber aus seiner Sicht wäre das keinesfalls ein Nachteil. „Bücher dürfen das!“ Umso begeisterter zeigt Andreas einige Cover englischer Titel, die mich in der Tat zum Sofort-kaufen verführen könnten, so prächtig sind sie gestaltet. Goldhahn & Sampson verkaufen die englischen Kochbücher gut, denn sie haben ein internationales Publikum. Insbesondere Skandinavier nehmen sie gerne. Ihre deutschen Kunden kaufen vor allem englische Titel zur vegetarischen Küche.

Nach zwei Jahren im Kiez wächst weiter jedes Detail ihres schönen Ladens, mehr Wein, mehr Kochbücher, mehr Sortiment. In Kürze möchten sie auch Frühstück anbieten. Es freut sie zudem, dass sie in der Nachbarschaft „angekommen“ sind: Ein Nachbar, ein sentimentaler Ewig-Gestriger, gab sich vor kurzem einen Ruck und lobte anerkennend ihren Laden „Habt ihr echt schön gemacht!“

ADRESSE FÜR BERLIN
Goldhahn & Sampson, Dunckerstraße 9 (Prenzlauer Berg, am Helmholtzplatz), 10437 Berlin – Zur Website

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Geschrieben im November 2008

Kommentare zu diesem Artikel

Martina
Stimme Dir 100%ig zu, Katharina - erstklassiges Geschäft (und schön von Dir beschrieben)!
Und Goldhahn & Sampson stimme ich auch 100%ig zu: die deutsche Gestaltung von englischsprachigen Kochbüchern ist meist fade. Ich warte ja nur drauf, zu sehen, was sie aus so wundervollen Büchern wie "A Platter of Figs" machen...

Katharina
Dank Dir! :-)

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