Cover: AT-Verlag
Leila Lindholm – schon Name und Biografie der als Fernsehköchin des Jahres ausgezeichneten Schwedin mit marokkanischen Wurzeln machten mich neugierig, versprachen sie doch eine interessante Melange aus West und Ost, aus orientalischen Spezereien und skandinavisch Herzhaftem. Wie wär’s mit Falafel auf Knäckebrot, Köttbullar mit Hummus, dachte ich mir? Nein, wer so etwas, ähnlich wie ich, erwartet, wird enttäuscht werden. (Die Fans schwedischer Küche kommen hier nicht auf ihre Kosten. Etwas anders sieht es mit dem Einfluss der nordafrikanischen Kochkunst aus.)
Leila Lindholm setzt in ihrem Buch vielmehr auf einfach und schnell zubereitetes Essen aus aller Welt mit einem gewissen Kick, der es aus dem Alltagseinerlei heraushebt. Eben wie der Titel sagt: So wird jeder Tag zum Fest. (Aber wer kann schon jeden Tag ein Fest feiern?) Sie vereinfacht oft populäre Gerichte, fügt aber gerne auch neue Geschmackskomponenten hinzu.
Das mit vielen, für mich fast schon zu vielen schön gestalteten und anregenden Fotos – auf denen auch etwas zu häufig die Autorin ins Bild gerückt wird – geschmückte Buch ist in acht Kapitel unterteilt.
Zunächst wird ausgiebig gefrühstückt. Salate stehen hier auf dem Programm, ein griechischer Joghurt mit Honig, Ricotta-Pfannkuchen, aber auch ein deftiger Thunfischburger. Dabei verrät Leila ihr Geheimnis: Sie kauft hochwertige Marmeladen, Schokocreme, Honig und füllt sie dann in hübsche Einmachgläser, damit alles wie selbst gemacht wirkt. Nun ja, dachte ich. Auch an anderen Stellen nimmt sie gerne Fertigprodukte wie z. B. Eis. Ambitionierte Hobbyköche werden da die Nase rümpfen, aber stressgeplagte Menschen hingegen erleichtert ins Supermarktregal greifen.
Im Kapitel der italienischen Küche wird der Pizzateig dafür selbst hergestellt. Nuss-Pasta und Feigen-Pizza sind Leilas einfache Variationen, während der warme Pinienkuchen mit Rosmarineis sowie das Semifreddo mit Schokolade und Haselnüssen auch Gourmets aufhorchen lassen werden, denke ich. Es folgen Kapitel mit kulinarischen Klassikern (z. B. Mousse au chocolat), Rezepten der vietnamesischen und (gehaltvollen) amerikanischen Küche.
Leilas Grill-Rezepte überraschten mich mit ungewöhnlichen Variationen. Da werden Avocados oder Pflaumen und Nektarinen gegrillt und mit Garnelen bzw. in Joghurt marinierten Hühnerschenkeln kombiniert. Daneben geht es eher um das Drumherum, Antipasti und Desserts. Eine gute Hilfe sind ihre Rezepte für Grillmarinaden.
Die abschließenden Kapitel haben mich nicht angesprochen. Zunächst die Rezepte für die Cocktailparty: Die vielen alkoholischen Getränke, die auch in den anderen Kapiteln zu finden sind, treffen einfach nicht meinen Geschmack. Auf den letzten Seiten ist die Autorin im Kapitel „Essbare Geschenke“ eher Einkaufsberaterin denn Köchin. Da werden Tee, Schokolade, Honig oder was auch immer schön verpackt und dekoriert und schon ist das Mitbringsel fertig (z. B. hausgemachtes Müsli).
Generell fand ich die vielen Tipps zu den Rezepten von der Autorin gelungen. Zusammen mit ihren Einleitungen bekommt das Buch so einen sympathischen persönlichen Stil. Einige kleinere Fehler – mal fehlt das Baguette in der Zutatenliste, mal sind die Garnelen nicht bei der Füllung angegeben – fallen kaum auf. Auch das übersichtliche Layout spiegelt die leicht nachzukochenden Gerichte erfreulich wieder.
Insgesamt ist mein Eindruck ein wenig zwiespältig. Überzeugt haben mich ihre einfachen, aber nicht naheliegenden Kombinationen, weniger ihre Gerichte, für die man eigentlich kein Rezept braucht (z. B. Vanilleeis mit gerösteten Kokosraspeln). Zufriedene Leser findet das Softcover sicherlich bei jüngeren Köchen, die gerade erst zu kochen beginnen und die ihre Freunde und Familie mit außergewöhnlichen, aber in akzeptabler Zeit realisierbaren Gerichten verwöhnen wollen. Und gerne Cocktails trinken!
Meine Tops & Flops
Gebratene Oliven mit Harissa und Zitrone
Diese Reminiszenz an die marokkanische Küche ist im Nu fertig. Oliven und Knoblauch werden in der Pfanne in Olivenöl gebraten und mit Harissa (scharfe nordafrikanische Gewürzpaste) gewürzt. Hinzu kommen lediglich dünne Streifen einer Zitronenschale. Köstlich, sowohl heiß als auch lauwarm. Und so einfach. Zum Rezept
Mein Lieblingserdbeerdessert mit Vanilleeis
Schön dass gerade Erdbeerzeit ist. Leila kombiniert Erdbeeren und rote Johannisbeeren mit Balsamicoessig, braunem Zucker und gemörserten Kardamomkernen. Dazu gibt es Vanilleeis. Wieder superschnell zubereitet. Aber Vorsicht, dass die beiden intensiven Aromen Balsamico und Kardamom nicht zu sehr im Vordergrund stehen. Man möchte ja die Früchte auch noch schmecken. Zum Rezept
Mein Coleslaw: Der amerikanische Klassiker bekommt hier eine erstaunliche, aber stimmige orientalische Note. Geraspelter Weißkohl (man kann auch den feineren Spitzkohl nehmen) wird blanchiert und mit geraspelten Karotten sowie Knoblauch gemischt. Hinzu kommt in der Pfanne gerösteter Kreuzkümmel (welch ein Duft!). Die im Rezept angegebene Menge an Mayonnaise habe ich stark reduziert und zum Ausgleich Joghurt genommen. Eine reizvolle Alternative zum Standardrezept.
Warmer Pinienkuchen mit Rosmarineis: Der Kuchen erinnert an die berühmte Torta Caprese. Er enthält außer Marzipan noch Pinienkerne und schmeichelt mit seiner saftigen Konsistenz sogar den verwöhnten Gaumen. Dazu kommt dann noch mit feingehackten Rosmarinnadeln aromatisiertes Vanilleeis. Jeder, der Süßes mag, wird wie ich in Verzückung geraten – davon bin ich überzeugt.
Vietnamesische Frühlingsrollen: Im Vergleich zu den meisten anderen Rezepten machte mir diese köstliche leichte Vorspeise so richtig Arbeit. Da müssen Garnelen geschält und entdarmt werden. Auch der Umgang mit Reisblättern wird Ungeübten nicht so leicht von der Hand gehen, dann heißt es schneiden und schnippeln und rollen. Am Schluss brauchte ich ein wirklich scharfes Messer, damit die Rollen auch optisch überzeugten. Hat man das alles gemeistert, macht man den dazugehörenden Dip mit links.
Kochen mit Leila: So wird jeder Tag zum Fest von Leila Lindholm, AT-Verlag (2010)
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MEHR AUF VALENTINA: Leila
Von Leila Lindholm gibt es außerdem die Rezeptsammlung Backen mit Leila. Zur Kurzvorstellung
Geschrieben im Juni 2010
Kategorie(n): Cocktails, Kochbuch, Schweden
Kommentare zu diesem Artikel
Frau Schmunzel
Ganz begeistert war ich von der Backsammlung "Backen mit Leila" - die ist einfach genial. Deshalb habe ich mir das Kochbuch gekauft und war damit leider nicht so glücklich. Vor allem, weil ich irgendwo gelesen hatte, sie sei der schwedische Jamie Oliver. Nun ja...
Katharina
Ich glaube, das ist ein Knackpunkt bei dem Buch. Man hofft auf mehr Einfluss der schwedischen Küche in ihren Rezepten. Vielleicht im nächsten Kochbuch?











