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Katia Bollwerk von bolliskitchen.com

katia

Foto: Katia Bollwerk

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Seit ich die Foodblogs als Internetlektüre für mich entdeckt habe, lese ich das Blog Bolli’s Kitchen. Hier erzählt die die gebürtige Kölnerin Katia Bollwerk aus ihrer Pariser Küche in Saint Germain de Prés. Die 39-jährige bloggt seit 2007.

Valentinas-Kochbuch.de: Zurzeit postest Du fast täglich ein Rezept mit Fotos. Fast scheint es mir, dass Du Du den ganzen Tag einkaufst, kochst und bloggst. Stimmt das?

Katia Bollwerk: Leider nicht! Ich arbeite in einer Kunstbuchhandlung von 9 bis 19 Uhr. Mittags habe ich zwei Stunden Pause: In der muss gegessen und gekocht werden. Zum Glück bin ich gut organisiert. Ich bereite manche Sachen schon am Abend vor. Außerdem koche ich meistens so, dass ich die Gerichte abwandeln kann oder nochmals „anders“ essen kann. Dabei habe ich hier das Glück, dass in unmittelbarer Nähe sehr gute Einkaufsmöglichkeiten sind, da spare ich viel Zeit.

Ich muss gestehen, dass ich meine Posts zeitverzögert blogge. Mit den vielen Bildern geht’s zudem schneller… Das Fotografieren geht bei mir ohne viel Drumherum: Entweder wird das Essen im Topf oder auf dem Teller fotografiert. Seit ich eine neue kleine Kompaktkamera habe, sind die Bilder auch nicht mehr so verwackelt wie früher. Dabei ist nicht alles perfekt bei mir. Ab und zu gibt’s auch “kleine Katastrophen” wie die Pâté en croûte, die ich nun schon seit Jahren versuche, perfekt zuzubereiten…. Im Winter nehme ich mir mehr Zeit für den Blog, im Sommer muss es ganz schnell gehen.

Valentinas-Kochbuch.de: Woher kommt Deine kulinarische Leidenschaft?

Katia Bollwerk: Ich hatte eine schwäbische Urgrosmutter, Luise, die kochte herrlich. Als Kind half ich ihr oft beim Kochen. Leider habe ich die Rezepte nicht aufgeschrieben. Und, na ja, seit ich geboren bin, verbringe ich meine Ferien in Frankreich an der Atlantikküste. Dort hatten wir Freunde, die Richards. Albert Richard war Koch im Ritz. Ich kaufte immer mit ihm ein und anschließend kochten wir gemeinsam. Ich kann mich noch zu gut an seine Escargots de Bourgogne erinnern.

Meine Eltern haben mich immer in sämtliche Restaurants mitgenommen Dort durfte ich alles essen und probieren – es gab nie den “Kinderteller” für mich. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein Ober in einem Restaurant in Holland verwirrt schaute, als ich mit knapp sechs Jahren einen Hummer bestellte. Zu seinem Erstaunen nickten meine Eltern und meinten: „Jaja, kein Problem!“. Außerdem – das mache ich auch noch heute – wollte ich als Kind immer die Küchen der Restaurants sehen: Das hat etwas Magisches für mich.

Valentinas-Kochbuch.de: Was macht Dir Spaß am bloggen?

Katia Bollwerk: Ich blogge eigentlich aus praktischen Gründen, nicht aus Leidenschaft. Ich war es einfach leid, meinen Freunden per Mails die Rezepte zu schreiben. Außerdem wollte ich irgendwie die Rezepte auch für mich festhalten. Der Blog ist sozusagen auch mein privates, virtuelles Kochbuch. Dort suche ich nach meinen Rezepten. Es macht natürlich Spaß, wenn ich nette Kommentare bekomme oder die Rezepte nachgekocht werden. Meine Freunde und die gesamte Familie – bis auf meinen “Testesser” Jean-Noël – lesen auch den Blog. Zwar kommentieren sie nie, aber kochen und backen oft danach.

Die Grenzen beim Bloggen sind für mich private Dinge. Deshalb gibt’s auch fast nie Fotos von mir, Jean-Noël oder meiner Küche. Es ist halt ein reines Rezepte-Tagebuch. Deswegen nannte ich den Blog auch „Bolli’s Kitchen“, weil so am Anfang keiner wusste, wer dahinter steht. Bolli ist der Spitzname von meinem Vater, der übrigens nicht kochen kann… Irgendwie ist es mir dann doch unheimlich, dass – rein theoretisch – Millionen von Leuten alles über mich wissen könnten. Deswegen bleiben private Dinge außen vor. Ich würde auch nie die Kamera mit in ein Restaurant nehmen. Zum einen sagte mir Jean-Noël von Anfang an, wenn ich jemals in einem Restaurant die Teller fotografieren würde, dann würde er nie wieder mit mir zum Essen gehen. Zum anderen finde ich es auch dem Koch gegenüber unhöflich, wenn da dann erst gezoomt wird etc. Schließlich ist alles, zumindest in Spitzenläden, auf den Punkt gekocht. Das Essen wird ja kalt oder der Ober muss mit seiner Erläuterung zum Gericht warten – also, das ist nicht so mein Ding. Die Kamera ist für Zuhause.

Valentinas-Kochbuch.de: Du bloggst zweisprachig: Deutsch und Französisch. Daher hast Du aus beiden Ländern Leser. Gibt es einen Unterschied der Nationen beim Kommentieren?

Katia Bollwerk: Die französischen Leser hinterfragen mehr, da geht’s mehr ins Detail. Was ich allerdings hasse, das sind anonyme Kommentare von französischen Lesern, die dann oberlehrerhaft auf Grammatikfehler hinweisen. Die denken nämlich, ich sei Französin.

Was ich auch sehr liebe, sind die anonymen deutschen Kommentare bei Entenstopfleber… Wenn ich dazu ein Rezept blogge, weiss ich schon im Vorraus, dass dazu dumme Kommentare kommen.

Valentinas-Kochbuch.de: Wie sieht die Foodbloggerszne in Frankreich aus?

Katia Bollwerk: Die Foodbloggerszene in Frankreich ist viel kommerzieller und professionneller als die deutsche. Hier haben schon fast alle grossen Bloggerinnen mehrere Bücher geschrieben und das schon seit Jahren, nicht erst seit einem Jahr wie bei uns. Mercotte oder Anne leben auch von ihren Blogs. Ich glaube nicht, dass das in Deutschland bis auf Nicky Stich der Fall ist. Die Frauenzeitschriften Elle und Marie Claire interviewen auch die Bloggerinnen. Die Autorin Isabelle Juppé hat sogar ein Buch über dieses Phänomen geschrieben. Dies alles fing schon vor 7-8Jahren an. (Weitere französische Foodblogs: B Comme Bon, Eryn et sa folle cuisine , Clea Cuisine)

Ich finde es aber eigentlich angenehmer in Deutschland, dass da noch aus Lust und Leidenschaft gebloggt wird und nicht so verbiestert ist wie hier, wo es nur darum geht, mehr Zugriffe zu bekommen und dann auch mehr Geld.

Valentinas-Kochbuch.de: Du schriebst mir einmal, dass in Deiner Wohnung Stapel um Stapel Kochbücher liegen, jederzeit griffbereit. Welche Kochbücher sprechen Dich an?

Katia Bollwerk: Ich mag am liebsten Kochbücher von Sterneköchen, denn von denen kann man viele Tips und Kniffe lernen. Das Layout muss schon ansprechend sein. Ich hab’s auch gerne, wenn viele Fotos in dem Kochbuch sind. Meine Favoriten sind die Bücher von dem Autoren-Duo Meuth und Neuner-Duttenhofer sowie italienische Kochbücher.

Ich kaufe viele Kochbücher, allerdings recht wenige in diesem Jahr. Das liegt nicht an der “Krise”, sondern weil mich die Bücher gerade nicht so ansprechen. Ich glaube, ich bin derzeit ein bisschen gesättigt. Wenn ich allerdings ein neues Kochbuch habe, dann lese ich es wie einen Roman: die Zutaten und das Photo – davon lasse ich mich inspirieren.

Die französischen Kochbücher sind in der Regel billiger und pfiffiger aufgemacht. Da hat man dem biederem Hausfrauen-Layout schon lange Adieu gesagt. Kulinarische Trends werden da auch ganz schnell aufgegriffen und als Buch verlegt: Macarons, Verrines, Smoothies und jetzt gerade Patisserie sowie einfache Bistroküche. Im Gegensatz zu meinen französischen Freunden habe ich unverhältnismässig viele Kochbücher. Sie haben meistens nicht ein einziges und kochen dennoch hervorragend, gut und einfach.

Valentinas-Kochbuch.de: Für mich bist Du die Blogger-Königin der Tartes. Welche sind Deine drei Favoriten?

Katia Bollwerk: Danke! Da es bei mir schnell gehen muss, sind die Tartes einfach der ideale Kuchen. Immer mit dem altbewährten Mürbeteigrezept von der Mutter einer Freundin aus Frankreich zubereitet – dort habe ich als kleines Kind die Tartes entdeckt. Gemeinsam mit den Früchten der Saison – das ist einfach, schnell und gut. Meine Favoriten sind derzeit:

Katia

Birnentarte (Foto)
Torta die Mora
Tarte au Citron







Valentinas-Kochbuch.de: Besten Dank!

Lesetipp: Katias Kochbuch-Empfehlungen – ihre besten Kochbücher von dem Autorenduo Meuth und Neuner-Duttenhofer

Katia Bollwerk: Das Piemont-Buch ist toll, auch wenn’s schon etwas älter ist. Das Schöne ist, dass es wirklich so im Piemont aussieht und man tatsächlich genauso dort isst.

Bei Amazon bestellen: Piemont und Aosta-Tal: Küche, Land und Leute

Katia

Katia Bollwerk: Das etwas neuere Adria-Buch, das ich wegen seiner Fischrezepte liebe.

Bei Amazon bestellen: Adria. Kulinarische Landschaften von Brindisi bis Dubrovnik

Geschrieben im Oktober 2009

Kategorie(n): Foodblog, Foodblogger, Frankreich, Interview

Kommentare zu diesem Artikel

Claudi
Wie schön! Freue mich das die interessante Reihe schon so schnell fortgesetzt wird.
VG,
Claudi

Thea
Witzig, ziemlich genau so hatte ich mir die Pariser Kölnerin vorgestellt. Und daß das Ehepaar vom Apfelgut zu ihren Küchengöttern zählt, macht sie noch sympathischer, denn auch in meinem Kochbuchregal nehmen sie viel Platz ein.
Und die Interview-Reihe finde ich ganz wunderbar! Danke.

Valentina
Ah, danke für Eure herzliche Rückmeldung.

Mir hat es ebenfalls sehr viel Spaß gemacht, eine Gelegenheit zu haben, um mit Katia ausgiebig zu klönen!

Katia
Danke Katharina, es hat viel Spass gemacht! Jetzt freue ich mich auf die anderen Foodblogger-innen!!!!!

Buchfink
Auch ich lese Bolli's kitchen fast täglich, zuerst auf französisch, um meine Sprachkenntnisse zu erweitern, danach zur Erholung auf deutsch.

Barbara
Toll gemacht - Katia kommt genauso rüber wie sie ist. :-)

Sehr sympathisch.

Valentina
Dankeschön, freut mich!

Melanie
Super tolles Interview von zwei tollen Bloggerinnen! Perfekt, werde es gleich mal auf meinem Blog posten und verlinken.

Gisela
Diese Themenreihe über Foodblogger finde ich sehr interessant - bitte weitermachen!

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